Wolfsburg verspielt 3:1 — Cottbus holt wildes 4:4

Symbolfoto zum Ergebbnis Wolfsburg gegen Cottbus 4:4
Wolfsburg und Cottbus trennen sich 4:4 am dritten Spieltag der 2. Liga

WOLFSBURG. Vor den Augen der Fans in der Volkswagen Arena erlebte der VfL Wolfsburg am 4. Spieltag ein Heimspiel, das wohl niemand so erwartet hatte: Der Bundesliga-Absteiger und klare Aufstiegsfavorit führte zur Halbzeit 3:1 und ließ am Ende einen 4:1-Vorsprung noch aus der Hand gleiten. Energie Cottbus erkämpfte sich ein 4:4 und nahm einen Punkt mit aus der Volkswagenstadt.

Dabei begann alles nach Maß für Tobias Strobls Mannschaft. Bereits in der vierten Minute gab es Elfmeter für die Wölfe: Robert Glatzel stieg bei einer Flanke von Joakim Maehle hoch und wurde von Cottbus-Keeper Lotka mit den Fäusten im Gesicht erwischt. Glatzel selbst trat an und schoss souverän oben rechts in die Ecke. Frühe Führung, frühes Signal.

Cottbus bemühte sich um Reaktion. King Manu gewann den Ball vor dem VfL-Strafraum, forderte beim anschließenden Zweikampf lautstark einen Pfiff und sah dafür stattdessen Gelb. Die Partie blieb in dieser Phase zerfahren, der Ball wechselte häufig den Besitzer. Bernhardsson prüfte mit einem flachen Schlenzer ins lange Eck den Pfosten, Reese zog kurz darauf allein in den Strafraum, scheiterte aber an Lotka.

In der 25. Minute dann das 2:0 aus dem Nichts. Reese gewann den Ball nahe der Mittellinie, zündete den Turbo und schickte Vinicius Souza auf die Reise. Der ließ sich nicht zweimal bitten flach ins linke Eck, keine Diskussion. Der VfL hatte seine Linie gefunden.

**Geschenk der Gäste Wolfsburg auf 3:0**

Kurz vor der Pause hätte sich Bernhardsson nach einer schönen Kombination mit einem Steilpassversuch beinahe ausgezeichnet, Cottbus klärte. Doch in der 34. Minute machte ein Patzer der Gäste alles einfacher: Lotkas kurzes Zuspiel im Strafraum rutschte Doumbia durch, Bernhardsson schnappte sich die Kugel und legte zurück auf Glatzel der seinen Doppelpack vollendete. 3:0, scheinbar komfortable Ausgangslage für die Pause.

Doch Energie Cottbus blieb nicht ohne Antwort. Noch vor dem Halbzeitpfiff stellte Robert Glatzel mit einem Eigentor oder einem Treffer der Gäste auf 3:1 nach Torangaben aus der Chronologie war es Glatzel im Trikot von Cottbus, genauer: die Torfolge weist in der vierten Minute Glatzel [FE] aus, also einen Fehler, der zugunsten von Cottbus gewertet wurde. Zur Pause stand es 3:1.

Nach dem Seitenwechsel überschlugen sich die Ereignisse. Zwei Tore binnen kürzester Zeit drehten den Spielverlauf grundlegend. In der 49. Minute traf zunächst King Manu für die Gäste zum 3:2 und noch in derselben Minute antwortete Luca Erlein für Cottbus zum 3:3. Innerhalb von 60 Sekunden war aus einem klaren Wolfsburg-Vorsprung ein Gleichstand geworden. Das war der Moment, in dem das Spiel kippte.

Tobias Strobls Mannschaft fand eine Antwort: In der 67. Minute brachte Tolcay Cigerci ausgerechnet der Ex-Wolfsburger in Cottbuser Diensten mit einem Freistoßtreffer [FE] die Gäste auf 4:3 in Führung. Das Stadion war still. Was zu Beginn wie eine Pflichtübung aussah, hatte sich in eine echte Aufholjagd des Aufsteigers verwandelt.

**Svanberg rettet spät aber Bogdanov schlägt in der Nachspielzeit zu**

Wolfsburg ließ sich nicht abschütteln. In der 79. Minute glich Mattias Svanberg zum 4:4 aus der eingewechselte Schwede brachte den VfL wieder auf Augenhöhe. Drei Minuten vor dem Ende schien ein Punkt die wahrscheinlichste Lösung.

Doch die Schlussphase hielt noch eine bittere Wendung bereit. In der 91. Minute, in der Nachspielzeit, traf Dmytro Bogdanov für Cottbus zum 4:4-Endstand. Wolfsburg hatte das Remis bereits in der Hand und ließ es nochmals zittern, ehe der Abpfiff für eine gerechte, aber für den Favoriten bittere Punkteteilung sorgte.

Nach vier Spieltagen steht der VfL mit acht Punkten auf Rang drei hinter dem 1. FC Nürnberg (10 Pkt) und Hertha BSC (9 Pkt), gleichauf mit dem 1. FC Kaiserslautern. Die Tordifferenz lautet 10:6. Der Klassenerhalt ist bei fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz kein Thema. Wer jedoch als Aufstiegsfavorit mit einem 169-Millionen-Kader einen 3:1-Halbzeitvorsprung nicht über die Zeit bringt, muss sich die Frage gefallen lassen, warum die Defensive in der zweiten Hälfte so offen war. Vier Spieltage sind zu wenig für endgültige Urteile aber dieser Nachmittag hinterlässt Fragen.

Claus-Dieter Wollitz und sein Trainerteam werden mit dem Punkt mehr als zufrieden sein. Der Aufsteiger aus Cottbus unter Wollitz seit Juli 2021 geformt und in der vergangenen Saison in die 2. Bundesliga zurückgekehrt zeigte, dass er in dieser Liga mithalten kann. Tobias Strobl wird analysieren müssen, warum seine Mannschaft nach einer phasenweise starken ersten Hälfte den Faden so deutlich verlor.

Bereits am 12. September geht es für den VfL mit einem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli weiter. Dort wird Tobias Strobl Antworten brauchen.