Mal wieder wurde ein Streichquartett von NDR Kultur live im Altstadtrathaus mitgeschnitten. Im Konzert der KonzertGut Gesellschaft spielte das Latin Strings Quartet. Inés Vega ist eine charismatische chilenische Geigerin, Kathya Contreras erhielt ihren ersten Geigenunterricht in Valdivia, Chile, bei ihrem Vater, Professor Patricio Contreras, Erika Cedeño ist eine leidenschaftliche und charismatische venezolanische Bratschistin und der venezolanische Cellist Kevin Guerra, der als leidenschaftlicher Kammer- und Orchestermusiker gilt, spielte in verschiedenen renommierten Konzertsälen und Kammermusikfestivals in Lateinamerika, Asien, den USA und Europa. Auf dem Programm standen Werke von Juan Antonio (Chicoria) Sánchez (1965), Antonín Dvořák (1841-1904), Heitor Villa-Lobos (1887-1959) und Ástor Piazzolla (1921-92).
Juan Antonio Sánchez (Berlin 1965), der sich hauptsächlich der lateinamerikanischen Fusion und der Entwicklung der Folklore aus klassischen Musiktechniken widmet, música clásica. Sein Streichquartett ist durchdrungen von lateinamerikanischen Melodien, die sich auch in die Herzen des Publikums spielten. Großartige Musik die sehr unterhaltsam war. Das Publikum war begeistert.
Dann stand ein Europäer auf dem Programm, nämlich Antonín Dvořáks Streichquartett op. 96 mit dem Beinamen „Amerikanisches“. Auch dieses romantische Streichquartett spielte das Latin Strings mit großer Hingabe. Hier hatte sich Dvořák von Indianertänzen in den Shows des Buffalo Bill und von Spirituals anregen lassen, die ihm ein farbiger Kompositionsschüler vorsang. Der erste Satz in Sonatenform erscheint wie eine einzige Ode an die Natur, der zweite als weitgespannte, melancholische Kantilene mit Reminiszenzen an Schuberts Streichquintett, der dritte als burschikose Volksszene, das Rondofinale als rhythmisch vitale „Apotheose des Tanzes“.
Nach der Pause Heitor Villa-Lobos Streichquartett Nr. 1, ein großartiges Werk, das lateinamerikanische Musik par excellence darbot. Den vier Musikerinnen und Musikern lag das Werk sehr am Herzen. Mit Virtuosität erklangen die 6 Sätze, in allen möglichen Taktarten. Von der wunderschönen Cantilena über einen portugisischen Scherz, einem Operngesang, einem Lied, etwas Melancholie bis hin zum letzten Satz „Springen wie ein Sack“. Lateinamerikanisches Flair entfalteten die vier Musiker, denn diese Musik liegt Ihnen im Blut.
Und am Ende noch Ástor Piazzollas (1921-92) Tango Ballet, der dem konzertantem Tango nuevo huldigte. Eine großartige Interpretation von Latin Strings, die das Publikum mitriss.
Das Publikum war begeistert von dieser Musik und applaudierte langanhaltend.
Von Eberhard G. Roscher
