Friedrich Merz als Retter?
Bestseller „Letzte Chance“ von Robin Alexander
Was befähigt Robin Alexander, Friedrich Merz zu beurteilen? Faktencheck: Alexander gilt als Topjournalist. Er arbeitete für die „taz“, bei „Vanity Fair“ und seit 2008 für die „Welt“-Gruppe. 2013 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. Robin Alexander weiß, wovon er schreibt. Man muss aber auch wissen, dass alles, was er in seinem Buch „Letzte Chance“ aussagt, politisch gefärbt ist. Er untertitelt sein Werk „Der neue Kanzler und der Kampf um die Demokratie“. Es wird die politische Lage des Landes und der Welt in – zugegeben – packende Literatur gepackt und anschaulich dargestellt. Sein Fazit ist aber vorausahnbar: Friedrich Merz ist zur richtigen Zeit gekommen, um unsere Demokratie zu retten. – Warten wir doch mal ab. Wenn der Autor recht hat, dass Merz unsere letzte Chance positiv nutzt, ist alles okay. Wenn nicht, hat er zumindest einen realistischen Sachstandsbericht über das politische Jetzt gegeben. Man wird aber das mulmige Gefühl nicht los, dass hier schlichtweg Werbung für den Kanzler gemacht wird. Braucht man das? Von mir drei von fünf möglichen Sternen.
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Titel: Letzte Chance
Autor: Robin Alexander
Genre: Sachbuch
Verlag: Siedler, gebundene Ausgabe
Preis: 25 Euro
Krieg wirft lange Schatten
Neuerscheinung „Das Vermächtnis“ von Uwe Rademacher
Uwe Rademacher ist gebürtiger Duisburger. Und er schreibt seit Jahren Regionalkrimis. Die natürlich in Duisburg spielen. Was geht uns das an? Wir haben hier doch auch Krimis mit regionalem Bezug. Stimmt! Aber hier soll die Handlung im Vordergrund stehen. Die ist nämlich besonders: 1944. Bomben fallen auf die Stadt. Der sterbende SS-Offizier hat gerade noch Zeit, einen seltsamen Koffer einem Priester zu übergeben. Womit eine Mordserie seinen Anfang nimmt, die bis in unsere Tage reicht. Als der BKA-Mann in die St. Ewaldi-Kirche gerufen wird, ahnt er zwar, dass diese Kirche zum Tatort wurde, aber nicht, dass sich hier ein Fall auftut, der tief in die finsterste Zeit der Geschichte Deutschlands führt. Es geht um einen gefolterten Priester, ein geschändetes Grab und recht bald haben auch der Vatikan und der BND ihre Hände im üblen Spiel, in dem der Koffer eine Hauptrolle spielt. Warum müssen alle, die mit ihm irgendwie in Verbindung stehen, sterben? Ein Thriller mit historischer Tiefe und zeitgemäßer Spannung. Daher von mir vier Sterne.
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Titel: Das Vermächtnis
Autor: Uwe Rademacher
Genre: Krimi
Verlag: Feuertanz, Taschenbuch
Preis: 17 Euro
Besondere Art der Selbstreflektion
Klassiker „Die Bekenntnisse“ von Jean-Jacques Rousseau
Jean-Jacques Rousseau lebte zwischen 1712 und 1778. Er war Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist. Seine philosophischen Betrachtungen wurden europaweit beachtet. Posthum wurde seine Autobiografie „Die Bekenntnisse“ veröffentlicht. Eine zu seiner Zeit kaum gekannte Offenheit und die schonungslose Kritik an sich selbst machten dieses Werk zu einem Klassiker, der auch heute noch viel gelesen wird und zu Diskussionen führt. Beschrieben wird die ganze Bandbreite der menschlichen Möglichkeiten. Deutlich zeigt Rousseau das Spannungsfeld zwischen dem Individuum und der Gesellschaft auf, beleuchtet dieses in einem bis dahin nicht gekannten Licht und leistete damit einen beachtlichen Beitrag zur Aufklärung. – Ist das heute noch ein Thema? Rousseau stand im Zentrum des intellektuellen Lebens seiner Zeit. Und obwohl diese mit heute kaum vergleichbar scheint, ist es doch interessant zu lesen, was dieser Mann zu sagen hatte. Eine besondere, immer noch lesenswerte Art der Selbstreflektion. Von mir deshalb drei Sterne.
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Titel: Die Bekenntnisse
Autor: Jean-Jacques Rousseau
Genre: Autobiografie
Verlag und Preis: diverse
