Späte Hiobsbotschaft am Millerntor Wolfsburg verliert denkbar knapp
HAMBURG. Vor den Kulissen des Millerntor-Stadions, wo der ausverkaufte Gästeblock der Wolfsburger Fans von Beginn an für Stimmung sorgte, kassierte der VfL in der 88. Minute das entscheidende Gegentor und verlor beim FC St. Pauli mit 0:1.
Dabei hatte die Partie der Bundesliga-Absteiger auf Augenhöhe begonnen. Tobias Strobl schickte seine Wölfe mit vier Änderungen gegenüber dem 4:4 gegen Energie Cottbus ins Rennen: Cleiton, Damar, Svanberg und Shiogai rückten in die Startelf, während Angely, Glatzel, Rexhbecaj und Kapitän Arnold zunächst auf der Bank Platz nahmen. FC St. Pauli-Trainer Marcel Rapp rotierte ebenfalls kräftig: Ritzka, Fujita, Metcalfe, Ceesay und Niang begannen neu von Anfang an.
Die erste große Chance gehörte den Gästen. Reese übernahm einen Freistoß halbrechts vor dem Strafraum und zirkelte den Ball gefährlich Richtung Tor der Versuch senkte sich stark und klatschte an die Latte. Wenig später zog Metcalfe aus der Distanz ab, sein leicht abgefälschter Schuss fand in Zielinski jedoch einen aufmerksamen Keeper. Auf der anderen Seite antworteten die Hausherren: Ceesay kam aus kürzester Distanz zum Kopfball, setzte seinen Versuch aber direkt auf Zielinski. St. Pauli hatte in dieser Phase leichte Vorteile, ohne jedoch entscheidend durchzubrechen. Zur Halbzeit stand es 0:0.
Auch nach der Pause blieb das Bild ähnlich. Fischer war es, der die Wölfe fast in Führung gebracht hätte: Nach einer zunächst abgewehrten Ecke nahm der Wolfsburger am Strafraumrand Maß und hielt flach drauf sein Abschluss rauschte nur hauchdünn rechts am Pfosten vorbei. Kurz darauf traf auch St. Pauli Aluminium: Metcalfe zog aus der Distanz ab, Cleiton fälschte den Versuch leicht ab, und die Kugel klatschte an die Latte. Glück für Grün-Weiß in dieser Phase.
Tobias Strobl reagierte mit Wechseln. Dardai kam für Damar, Adjetey ersetzte den angeschlagenen Cleiton, Gerhardt und schließlich Arnold brachten Erfahrung für die Schlussphase. Auch Marcel Rapp wechselte: Dzwigala ersetzte Ritzka, der verletzte Niang machte Platz für Kaars. Das Spiel blieb offen bis zur 88. Minute. Fujita fasste sich aus halblinker Position ein Herz, diesmal mit mehr Überzeugung als bei seinem früheren Versuch, und vollendete zum 1:0 für die Hausherren. Zu wenig Zeit blieb den Wölfen für die Antwort. Spielende: FC St. Pauli 1:0 VfL Wolfsburg.
Nach fünf Spieltagen steht der VfL mit acht Punkten auf Rang fünf der Tabelle. Dahinter liegt SV Darmstadt 98 auf dem Relegationsplatz mit vier Punkten. Bei 34 ausstehenden Spieltagen zu Saisonbeginn ist die Tabelle naturgemäß noch wenig aussagekräftig. Der Kader im Wert von 169 Millionen Euro der teuerste in der Geschichte der 2. Bundesliga und die klare Favoritenrolle bleiben unverändert. Zur Einordnung: Erst am vergangenen Spieltag hatten die Wölfe mit einem Unentschieden gegen Energie Cottbus den ersten Punktverlust kassiert. Zuvor war dem VfL als erstem Team seit fünf Jahren eine ungeschlagene Startserie über die ersten vier Spieltage gelungen.
Tobias Strobl dürfte die Art des Gegentreffers schmerzen eine knappe Niederlage in der Nachspielzeit nach einer ausgeglichenen Partie ist schwer zu akzeptieren, auch wenn die Gesamtsituation keine dramatischen Schlüsse zulässt. Marcel Rapp hingegen kann zufrieden sein: Seine Mannschaft zeigte über weite Strecken eine aktive Vorstellung und wurde am Ende für Geduld und Konsequenz belohnt.
Schon am kommenden Freitag bietet sich Wolfsburg die Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Am 18. September empfängt der VfL in der heimischen Arena SV Darmstadt 98 ausgerechnet den aktuellen Tabellen-16. Ein Sieg würde den Abstand nach unten weiter ausbauen und den Blick wieder klar nach vorne, in Richtung Aufstiegsränge, lenken.
