Aus dem Stadt- und Bildarchiv

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Kalkstein ist ein Sedimentgestein, das sich aus Ablagerungen von Mikroorganismen am Meeresboden bildete. Der Elmkalkstein ist seit Jahrhunderten ein Begriff. Er ist ein wichtiger Baustoff für stolze Bauwerke gewesen, so für den fast 900 Jahre alten Kaiserdom (Stiftskirche) in Königslutter, Bauten in Braunschweig, Magdeburg, Halberstadt, Berlin, Elbing und noch vielen anderen norddeutschen Städten. Auch in Bremen für den bekannten „Bremer Roland“, der Transport dorthin wird die mittelalterliche Baustein-Ausfuhr als Schifffahrt auf der nahen Schunter sehr belebt haben. Die Jahrhunderte haben nicht vermocht, dem im Elm gefundenen Muschelkalkstein von seiner Dauerhaftigkeit und seinem plastischen Reiz etwas zu nehmen. Ein unbestechlicher Zeuge ist dafür die Stiftskirche in Königslutter. Der Kalkstein wurde in den Steinbrüchen im Elm gebrochen und mit Steinsägen per Muskelkraft zu Blöcken verarbeitet. Die Kalkbruchsteine und die beim Pflügen gefundenen Kalksteine auf den umliegenden Äckern wurden mit Fuhrwerken zu den Kalköfen transportiert. Die Verarbeitung der Kalksteine aus den Steinbrüchen im Elm verhalf schon im Mittelalter dem Orte zu weiterem Wohlstand.

Die Steinbrüche im Elm liegen heute verödet da. Wo früher fünfzig bis zu sechzig Steinbrecher im Akkord arbeiteten, sind seit vielen Jahren nur noch wenige Männer damit beschäftigt, restliche Steine aus dem freigelegten Massiv herauszulösen und zu verladen. Beim Baumaterial wird heute der fränkische Kalkstein dem Elmkalkstein vorgezogen oder aber der „billigere“ Kunststein verwendet.

Kalkbrennöfen

Unangenehm für die hiesige Bevölkerung erwiesen sich die Kalkbrennöfen, die zwar meistens im Elm, aber auch in der Nähe der Stadt gebaut waren. Zum Beispiel auf dem Zollplatz oder an der Braunschweiger Straße, sowie an der Helmstedter Straße. Gegen die Neuanlage eines derartigen Kalkbrennofens auf dem Grundstück an der Braunschweiger Straße wehrte sich der Bürgermeister Calbe im Jahre 1858 mit der Begründung, dass dieser innerhalb oder in der Nähe einer Ortschaft „wegen der Gesundheit der Ortsbewohner nachteiligen Ausdünstung nicht geduldet werden kann“. Der Kalkbrennerei und Steinbruchbesitzer „Heinrich Schrader“ an der Fallersleber Straße lieferte schon 1880 hochprozentige Kalksteine an die Zuckerfabriken.

Das Kalkbrennen: In einem Kalkofen wird mit einer Temperatur bis etwa 1.000 Grad Celsius kalkiges Gestein (CaCO³) entsäuert, das heißt, Kohlendioxyd (CO²) wird ausgetrieben, es entsteht Kalkstein, Brandkalk, Löschkalk, Düngekalk und Kalkmörtel, der schon seit der Antike als Baustoff eingesetzt wurde. In der Bauindustrie dient Brandkalk zur Herstellung von Mörtel, sowie für die Produktion von Kalksteinen, Zement, Zementklinkern und auch Kalkfarbe.

„Elmer Düngekalk“

Nachdem die Hannoverschen Portland-Zementwerke das Kalkwerk Königslutter, das in den Jahren 1911 und 1912 erbaut wurde, übernommen hatten, ging man bereits 1917 dazu über, die Abraummassen der Steinbrüche zu verwenden, um aus ihnen hochwertigen „Elmer Düngekalk“ herzustellen. Die einstigen Steinmühlen wurden zu Mergelmühlen umgebaut. Gleichzeitig ertüchtigte man die Seilbahn, die zu den drei Kilometer entfernt liegenden Steinbrüchen führte, auf einen neuen Leistungsstand. Im Abstand von 150 Meter voneinander schleppten einhundert Hängeloren im Umlauf, von denen jede 350 Kilo Last trug, in ununterbrochener Folge monatlich etwa 4.000 Tonnen Kalksteinabraum zu den Mühlen. Dort wurden die Massen im Brennofen zu Düngekalk umgewandelt. Neben dem Düngekalk stellte das Werk neuerdings auch Kalksteinplatten für Fassaden und Innenverkleidungen, sowie auch Fußbodenplatten her. Die Kalksteinwerke „von Behren“ am Lauinger Weg, die Steinverarbeitungsbetriebe „Listmann“ und „Heinrich Meinecke“ belebten die Kalkstein-Industrie in neuerer Zeit. Letzter Besitzer des Kalkwerkes war der Steinbetrieb „Fröse“ aus Schöppenstedt. Der große schief gewordene Schornstein des Kalkwerkes wurde am 1. April 1956 gesprengt. Im Jahre 1982 erbaute die Stein- und Bildhauerei Josef Metzner auf dem Driebenberg eine neue Werkhalle. Der Unternehmer Metzner hatte zu diesem Zweck die Abbaugenehmigung aus den ehemals „Bähr´schen“ Steinbruch im Hainholz erwirkt.

Der Elmkalkstein aus dem Elm bei Königslutter wird auch heute noch zur Restaurierung alter Gebäude dringend gebraucht. Zum Aufbau der Dresdener Frauenkirche in Dresden wurden damit Fragmente angefertigt. Die Steinmetzschule in Königslutter war dabei auch mit beteiligt.

Der „Lohntütenraub“

Zu der damaligen Zeit um 1950 gibt es auch eine wahre Geschichte über den Raub der Lohntüten aus den Seilbahnloren!  Vier Jugendliche hatten erfahren, dass am Freitag zum Feierabend mit der letzten Seilbahnlore die Lohntüten zum Steinbruch befördert werden. Am nahen Elmrand bauten sich die „Spitzbuben“ eine Stiege um an die tiefhängenden Loren zu kommen. Also war es um die Lohntüten geschehen und die Arbeiter gingen ohne Lohn nach Hause, welche Not! Die Jungen setzten das gestohlene Geld in Alkohol um und fielen dabei in der Stadt mit ihrem Lärm im Rausch unangenehm auf und wurden somit bald ertappt.

Klaus Hüttenrauch

 

Quellenverzeichnis: Stadtarchiv Königslutter, Bilder

Bildtexte:

Noch im April 2009 waren im Elm alte Fragmente der ehemaligen Seilbahn auffindbar. Einfach stehengelassene Fundamente der Stützenkonstruktion,

Fotos Klaus Hüttenrauch.

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