Auf dem Papier schien die Rollenverteilung klar: Die seit Oktober ungeschlagenen Lilien vom Zweitliga-Tabellenführer SV Darmstadt reisten als Favorit zum Tabellenvierzehnten Eintracht Braunschweig. Doch am Ende durfte sich eher der Spitzenreiter glücklich schätzen, einen Punkt mitgenommen zu haben. Das 2:2 fühlte sich für viele der 18.065 Zuschauer im Eintracht-Stadion eher wie ein verpasster Sieg der Löwen an.
Eintrachts Trainer Heiner Backhaus überraschte mit seiner Startelf. Statt Erecan Yardimci begann Winterneuzugang Mijatovic in der Spitze, zudem kehrte Mittelfeldspieler Max Marie ins Team zurück. Und die Löwen starteten druckvoll. Mehrfach scheiterten sie am stark reagierenden Darmstädter Torhüter Marcel Schuhen. Zwar hatten auch die Gäste ihre Möglichkeiten – Corredor prüfte Braunschweigs Keeper in der 13. und 14. Minute gleich doppelt –, insgesamt jedoch wirkte Eintracht zunächst aktiver.
Bis zur Halbzeit entwickelte sich eine intensive Partie mit viel Tempo auf beiden Seiten, jedoch ohne zwingende Torchancen. Dramatisch wurde es erst kurz vor der Pause – und jedes Mal war Mijatovic der Ausgangspunkt.
Der Winterneuzugang, bekannt für seine weiten Einwürfe bis tief in den Strafraum, brachte den Ball in der 41. Minute auf Frenkert, der von Akiyama zu Boden gezogen wurde. Schiedsrichter Timo Gansloweit zeigte sofort auf den Punkt. Mehmet Can Aydin verwandelte den fälligen Strafstoß mit einem strammen, halbhohen Schuss ins linke Eck – unhaltbar für Schuhen. Großer Jubel im weiten Rund.
Und es kam noch besser für die Gastgeber: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte erneut ein weiter Einwurf von Mijatovic in den Darmstädter Strafraum. Gomez, von Teilen der Fans zuletzt kritisch beäugt, bewies diesmal seine Klasse und schob technisch sauber zum 2:0 ins kurze Eck ein. Mit einer Zwei-Tore-Führung gegen den Tabellenführer hatte vor dem Anpfiff kaum jemand gerechnet.
Die prägenden Akteure im ersten Durchgang: Gomez, Aydin und Mijatovic, der eindrucksvoll unterstrich, welches Potenzial in seiner Leihe mit Kaufoption steckt.
Dass Darmstadt nach dem Seitenwechsel reagieren würde, war absehbar. 24 seiner bislang 40 Saisontore hatte der SVD in zweiten Halbzeiten erzielt, zudem gelten Standards als besondere Stärke der Hessen. Und genau das stellten sie unter Beweis.
Nach einer einstudierten Eckballvariante verkürzte Maglica in der 56. Minute auf 1:2 – eine Szene, in der die Braunschweiger Defensive einen Moment der Unordnung offenbarte. Zwar bemühten sich die Löwen um eine schnelle Antwort, doch ihre Angriffe wirkten nun weniger zwingend als vor der Pause. In der 78. Minute war es erneut Maglica, der eine Kopfballablage von Corredor im Strafraum unbedrängt zum Ausgleich verwerten durfte.
Backhaus versuchte mit den Einwechslungen von Yardimci (58.), Ranos (70.) und Sané (84.), die Partie noch einmal zugunsten der Gastgeber zu kippen. Doch die Kräfte ließen spürbar nach. Hintenraus fehlten die Körner, um den Spitzenreiter noch einmal ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Am Ende ist das 2:2 ein leistungsgerechtes Ergebnis – auch wenn aus Braunschweiger Sicht zwischenzeitlich mehr möglich schien.
Was die Eintracht im Vergleich zur Partie gegen Bielefeld deutlich besser machte, war die Laufleistung und die Intensität im Spiel gegen den Ball. Dennoch blieb es bei einem Punkt. Völlig übrezeugend trat der US-Amerikaner Gomez auf. Er allerdings, so verlautete die Gerüchteküche, wird die Löwen nicht mehr lange beflügeln können. Angeblich wechselt er für 600.000 Euro in die USA.
Am 23. Spieltag wartet nun die Auswärtsaufgabe bei der SV Elversberg (21. Februar, 13 Uhr). Die Bilanz gegen die Saarländer ist allerdings ausbaufähig: Von fünf Duellen gewann Gelb-Blau nur eines – am 30. März 2024 mit 5:0 in Braunschweig. In Elversberg setzte es bislang zwei deutliche 0:3-Niederlagen.
Die Leistung gegen Darmstadt macht Mut. Im Abstiegskampf zählen jedoch vor allem Siege.
